#4 Denkfelher*

In diesem Kapitel unserer Geschichte wollen wir uns – wenn Sie denn möchten – mit Wortungetümen, Verwaltungsdeutsch, Misslungener Kommunikation und Gedankenfehlern befassen. Mit einem solchen will ich beginnen.

Wer die Diskussion um „die Trasse“ in den vergangenen Jahren aufmerksam verfolgt hat, der hat mitunter den Eindruck bekommen, es handele sich um eine Auseinandersetzung zwischen „den Bürgern“ und „dem Staat“. Dahinter steckt ein Gedankenfehler, denn ein elementarer Bestandteil unserer demokratischen Grundordnung ist: Wir Bürger sind der Staat. Ich erinnere: Sie, Ich und alle anderen wählen alle vier Jahre ein Parlament und eine Regierung, die stellvertretend für uns Entscheidungen treffen oder treffen sollen. Wir haben hier also eine Diskussion oder Auseinandersetzung zwischen Bürgern mit unterschiedlichen Ansichten. Es ist also beispielsweise nicht so, dass etwa „der Landkreis Schaumburg“ so etwas wie das gallische Dorf ist, dass wie in den Asterix- und Obelix-Comics einen heroenhaften Kampf gegen das übermächtige Römische Reich führt.

Damit will ich – zumindest an dieser Stelle – nicht bewerten, wie diese Diskussion geführt wird, wer wie wann mit wem kommuniziert, und auch bei unserem Thema wichtig, nicht kommuniziert. So viel: Der Informationsfluss zwischen den Bürgern und ihren politischen Vertretern  ist – gelinde gesagt – häufig suboptimal* (Beispiel folgt).

*suboptimal ist ein in Sitzungen von Stadträten und Gemeinderäten und anderen politischen Gremien gerne geäußerter Begriff, wenn etwas schlecht ist.

Ich will an dieser Stelle auch nicht bewerten, ob und wenn ja warum dieses Prinzip unserer Grundordnung nicht immer funktioniert. Was ich auch weiß: Es ist wichtig, dass wir unsere Vertreter immer wieder daran erinnern, dass Sie uns vertreten sollen und nicht sich selbst. Es ist – das nebenbei – eine Kernaufgabe von Medien, das zu tun.
Wenn Sie mal Langeweile haben, dann schauen Sie sich doch auf der Internetseite bundestag.de die Lebensläufe der Abgeordneten an und klicken dort auf den Punkt: Veröffentlichungspflichtige Nebentätigkeiten. Hochspannend. Da können Sie beispielsweise sehen, dass der Abgeordnete Lindner (FDP) seit 2017 bei 69 Veranstaltungen als Redner oder Gast aufgetreten ist und dafür ein Honorar von insgesamt bis zu 890.000 Euro bekommen hat.

So wenig wie der Landkreis Schaumburg ein „gallisches Dorf“ ist, so wenig dreht sich die Diskussion um die Eisenbahnstrecke nur um unseren schönen Landstrich. Auch da unterliegen manche von uns einem Gedankenfehler. Dieser Neubau beschäftigt Menschen in Seelze, Minden, Brake und Bad Oeynhausen mindestens genauso. Darüber hinaus beschäftigt er aber auch Menschen, die in Bonn, Osnabrück, Berlin, Amsterdam, Kopenhagen und Paris leben – wenn auch aus ganz anderen Gründen. Das sind Menschen, die häufig mit der Bahn fahren, gerne schnell von A nach B kommen und von Schaumburg so viel wissen, wie Sie und Ich über die Ehrenbürger von sagen wir mal Wuerselen. Im Zweifel interessieren sich die allermeisten Menschen außerhalb unserer Grenzen vergleichsweise wenig dafür, ob im Auetal oder in Bergdorf ein Tunnel gebaut wird oder in Hobbensen vielleicht Häuser abgerissen werden müssen. Das – bitte verzweifeln Sie nicht – bedeutet nicht, dass wir Schaumburger nicht darauf aufmerksam machen müssen, dass wir ein berechtigtes Interesse daran haben mitzureden und mitzuwirken. Bedenken müssen wir aber, dass wir nicht die einzigen sind. Im Landkreis Schaumburg leben etwa 160.000 Menschen, in Deutschland 83.000.000 Menschen. Der Anteil der Schaumburger an der Bevölkerung liegt also bei 0,19 Prozent.*
*Für etwaige Rechenfehler in dieser Betrachtung wenden Sie sich bitte an die Mathematik-Lehrer, die mich zwischen 1972 und 1982 am Ratsgymnasium Stadthagen genervt unterrichtet haben. 

Sprechen wir mal über Sprache

Es war und ist eine Kernaufgabe von Medien, das, was unsere politischen Vertreter diskutieren, zu übersetzen und einzuordnen. Das gilt auch für Lokale Medien. Ohne Übersetzer kommen Sie und ich und die meisten aller anderen sozusagen nicht unfallfrei durch den Wust von Begriffen, Plänen, Gesetzen, Verordnungen, Anfragen, Empfehlungen undwasessonstnochsoalles gibt. Sie liegen sicher nicht falsch, wenn Sie annehmen, dass das mitunter durchaus so gewollt ist.

Sie kennen das auch aus Ihrem Beruf oder von einem Hobby. Wenn Sie sich beispielsweise mit einem anderen Tischtennisspieler unterhalten, dann können schon mal Sätze fallen wie: „Pass auf die Noppe auf“, „Der zieht gerne parallel“, „Die sind unten nicht so stark“. Sollten Sie nie in einem Verein Tischtennis gespielt haben, wären sie vermutlich verloren. Vermutlich wären Sie genauso verloren, wenn Sie einem Gespräch von Zeitungsredakteuren zuhören müssten: „Ich brauche noch 60 für die 3“, „Du hast zwei Schusterjungen und ein Hurenkind“, „Der Leiter ist noch nicht fertig“.

Ähnlich ist es auch bei unserer Eisenbahntrasse. Wir müssen uns mit Begriffen und Abkürzungen auseinandersetzen, die uns eher fremd und oft unverständlich sind. Einige Beispiele, mit denen wir uns später noch, aber heute nicht mehr, ausführlich befassen, wenn sie möchten.
Kleiner Tipp für langweilige Corona-Abende: Scrabblen Sie doch mal wieder.

• Bundesverkehrswegeplan
• Verkehrsinfrastrukturplanung
• Schienengüterverkehranlagenpreisförderung
• Bundeseisenbahnverkehrsverwaltungsgesetz
• Projektspezifische Einnahmenanrechnung
• Schienenpersonenbundesforschungsprogramm
• Eisenbahnunfalluntersuchungsbundesstellendirektor

Fortsetzung folgt

*Der Fehler Felher in der Überschrift ist beabsichtigt.

 

 

Autor: Markus Kater

Rentner, Jahrgang 1962, ehemaliger Zeitungs-Journalist, Soul-, Jazz und House-DJ, Schaumburger.

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